Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

Privatkopie = Raubkopie?

Mit 3 Kommentaren

Zumindest wenn es nach Spiegel-Online Logik geht, oder besser gesagt nach der von Torben Waleczek. In seinem Artikel über die schwedische Piratenpartei, die sich durchaus Chancen auf den Einzug in das Europaparlament machen kann, setzt er Privatkopien mit Raubkopien gleich. Anders lässt sich sein Argumentationsstrang nicht erklären. Begriffen hat er aber noch gar nichts.

Schon in seiner Überschrift zeigt er, dass er auch nicht begreifen will.

Warum die Raubkopierer nach Brüssel wollen.

Raubkopierer? Im ersten Satz legt er nach:

Wenn alles klappt, wie es soll, dann vertritt Christian Engström bald die Interessen von Raubkopierern im Europäischen Parlament. Musik und Filme umsonst und für alle.

Spätestens hier, und das ist bereits der erste Satz seines Artikels, disqualifiziert sich Waleczek als unzureichender Journalist, oder als Marktschreier. Mit nur ein wenig Internetrecherche würde er herausfinden, dass seine Überschrift und der erste Satz nichts weiter als große, ja gar unverschämte Lügen sind, die eine Partei damit in unsäglicher Weise diffamiert. Kennt Waleczek eigentlich den Begriff "Rufmord"?

Folgendermaßen umreißt er das Programm der Partei:

  • Sie wollen die Privatsphäre der Bürger vor staatlichen Eingriffen schützen.
  • Sie möchten Patente auf Gene und Software abschaffen.
  • Und drittens wäre da noch die Sache mit den Raubkopien.

Zum letzten Punkt schreibt er dann noch folgendes:

Die Piraten fordern das Recht auf die legale Privatkopie von Musikstücken, Filmen und Texten.

Was genau ist an der Privatkopie eine Raubkopie? Nicht das Kopieren. Denn die Privatkopie ist per Gesetz nicht verboten. Was allerdings verboten ist, ist das umgehen von Kopierschutz-Software. Kennt Waleczek diesen Unterschied? Scheinbar nicht. Oder vielleicht doch. Letztendlich passt dieser kleine, aber feine Unterschied nicht in seine Argumentation hinein. Denn die Piratenpartei setzt sich nicht zum Ziel, diese Kopierschutz-Software zu umgehen. Nein, sie will den Kopierschutz ganz abschaffen.

Und das genau macht die Piratenpartei, oder ihre Mitglieder, nicht zu einem Raubkopierer, noch will sie Raubkopierer unterstützen oder gar vertreten. Im Gegenteil. Sie setzt sich durchaus für Schutz des Urhebers ein, auch wenn diese Unterstützung Waleczek scheinbar nicht ausreicht. Dennoch ist die Behauptung, "Musik und Filme umsonst und für alle" falsch. An keiner Stelle ist solch eine Behauptung im Programm der Piratenpartei wiederzufinden. Herr Waleczek, worauf basiert diese Behauptung? Schon etwas von Quellenarbeit gehört? Wozu auch Quellenangaben gehören? Oder ist das im Pressegeschäft nicht mehr nötig?

Man muss mit den Zielen dieser kleinen Partei nicht einverstanden sein. Dann kann man aber von einem Journalisten erwarten (dessen Aufgabe es eigentlich ist, Informationen zu verbreiten) sich zumindest mit dem Thema auseinander zu setzen, anstatt sich vorschnell zu Lügen hinreißen zu lassen. Es ist erschreckend, wie dramatisch unreflektiert und unkontrolliert die Presse mit ihrer Macht spielt, und am Ende ihrer Verantwortung doch nicht gerecht wird. Es ist dabei kein Wunder, dass immer wieder Stimmen laut werden, die "Journalisten" wie Waleczek einen Interessenkonflikt unterstellen.

Herr Waleczek, Sie haben wieder ein gutes Beispiel dafür gebracht, dass der Spiegel, aber vor allem die Online-Ausgabe regelrecht verkommt. Mehr und mehr gleicht Spiegel-Online einem Marktschreier, der bis zur Marktgrenze denken kann/will, und nicht weiter.

Geschrieben von Captain

05.06.2009 um 19:13:38

Abgelegt in Gesellschaft, Politik

2 Trackbacks zu Privatkopie = Raubkopie?

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

  1. Angst vor Piraten haben nicht mehr nur noch Seeleute, nun schwappt die Furcht auch auf das europäische Festland über. Die Piraten, um die es hierbei geht, brechen dabei nicht das Gesetz, sondern wollen dies ändern, auf legalem Weg. Doch die
  2. Die Klage von der Musikindustrie wurde vor Gericht nun abgewiesen, nun wurden die Rechte der Verbraucher sogar noch verstärkt. Das kopieren von Musikalben für private Zwecke ist weiterhin erlaubt. Auf rote-couch.com gibt es auch eine inter…

3 Kommentare zu Privatkopie = Raubkopie?

  1. Irgendwie ist es schon fast ein bisschen müßig geworden, sich darüber aufzuregen. Natürlich sollte man den mund aufmachen, wenn man Ungerechtigkeiten spürt, aber diese überbordene Skepsis, gepaart mit unglaublicher Ahnungslosigkeit, da hailft kein kritischer Artikel mehr, sondern nur noch nen VHS-Kurs mit den Grundlagen.

    Thearcadier

    07 Jun 09 um 14:42

    Antwort

  2. Letztens hat mir einer gesagt, dass die Leute in die Politik gehen, die für die freie Wirtschaft zu schlecht sind. Is wohl was dran.

    Volcom

    11 Jun 09 um 23:27

    Antwort

  3. Ist ja auch kein Wunder, in der Politik verdienen sie nicht so viel.

    Captain

    12 Jun 09 um 15:26

    Antwort

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Textile-Formatierung erlaubt