Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

"Lasst es uns machen wie Gerhard Schröder"

Mit 2 Kommentaren

Die SPD hat ein Problem, ein sehr großes sogar. Einst der Verfechter des kleinen Mannes verliert sie immer mehr Halt in der Bevölkerung. Bei der letzten Europawahl vom 07.06.09 erreichte sie 20,8 Prozent. Zwar war das nur 0,7 Prozent weniger als noch bei der letzten Wahl, aber für eine "Volkspartei" stellt solch ein Wahlergebnis ein Desaster dar, vor allem, da sie als Gradmelder für die Bundestagswahlen dient und die Stimmung im Land misst. Nun leckt sich die SPD ihre Wunden, um bis zur Bundestagswahl wieder fit zu werden. Doch woran liegt es, dass die SPD so viele Wähler verloren hat?

Dass Frank-Walter Steinmeier ein großes Imageproblem hat, das wurde schon an mehreren Stellen geschrieben. Die tollpatschige Kritik an Karl-Theodor zu Guttenberg war auch ziemlich peinlich, vor allem, da ihm grundlos ein Bruch seines Amtseides unterstellt wurde. Wie dehnbar Definitionen wie "Zum Wohl des Volkes" sind, hat die SPD in ihren sieben rot-grünen Jahren an der Macht gezeigt. Dabei soll auch egal sein, dass Merkel und Guttenberg in der Bevölkerung beliebter scheinen, als alle SPD-Vorstandsmitglieder zusammen.

Juso-Chefin Franziska Drohsel bringt in einem Interview mit der Süddeutschen Online-Ausgabe das Problem der SPD auf den Punkt:

Die SPD hat immer noch ein Glaubwürdigkeitsproblem ...

Dieses Glaubwürdigkeitsproblem habe sich ihrer Meinung nach zum einen durch eine zu schlechte politische Abgrenzung zur CDU/CSU und zum durch eine unklare soziale Linie aufgebaut.

Ja. Darum würde ich mir an einigen Stellen wünschen, dass wir klarer und konsequenter auftreten. Wenn wir die Vermögenssteuer ablehnen, passt das nicht zu einer klaren Linie.

Auf der anderen Seite ist zu hören, Steinmeier solle den Schröder machen. Doch gibt es bei der SPD keinen, der die Popularitätswerte nur annähernd erreichen könnte, wie der ehemalige Bundeskanzler. Versucht hatte Steinmeier das letzten Sonntag. Doch er sollte sich in acht nehmen. Ein Gerhard Schröder steht, ohne durch seine Präsenz abzulenken, für Vertrauenverlust.

Sieben Jahre hatte er nämlich Zeit, das Land zu sozialisieren. Sieben Jahre hatte er Zeit, gegen die Armut zu kämpfen. Sieben Jahre hatte er Zeit, die Schere zwischen Arm und Reich nicht zu groß werden lassen. Sieben Jahre hatte er Zeit, gegen Heuschrecken zu kämpfen. Sieben Jahre hatte er Zeit, für die Menschenrechte einzutreten. Doch nichts davon kann er sich mit gutem Gewissen anrechnen lassen. Denn diese sieben Jahre war eine Zeit, wo er Prinzipien der Sozialpolitik und Menschenrechte einfach so über Bord warf. Und spätestens seit seinem Abgang in die russische Wirtschaft, für die er erst kurz zuvor als Staatschef noch die umstrittene Ostsee-Pipeline genehmigte, steht Schröder für all das, was er in seinen Reden bekämpfen wollte.

Und genau an dieser Stelle sollte sich die SPD fragen, wer hier seinen Amtseid gebrochen hat.

 

Und genau das sind die Fehler, warum immer weniger Menschen der SPD vertrauen. Warum immer mehr Menschen sich eine Alternative suchen. Einige gehen zur Linkspartei, weil die noch nicht der Wahlkampflüge überführt wurde. Andere wiederum gehen zur CDU, dort weiß man wenigstens von vornherein, welche Grausamkeiten auf einem zukommen. Und die Letzten wissen nicht mehr, wen sie wählen sollten und bleiben ganz zu Hause. Und das alles wegen Schröder.

Und genau deswegen sollte Steinmeier nicht den Fehler begehen, den Schröder zu machen. Schröder wirft einen bösen Schatten auf die Partei.

Geschrieben von Captain

14.06.2009 um 23:11:42

0 Trackbacks zu "Lasst es uns machen wie Gerhard Schröder"

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

  1. Keine Trackbacks

2 Kommentare zu "Lasst es uns machen wie Gerhard Schröder"

  1. Wer isn dieser Schröder? ;-)

    Die Wahl ist doch ziemlich einfach: SPD und CDU haben ihre Stammwähler, von denen werden sie sowieso gewählt. Wechselwähler werden bei dieser Wahl weder CDU noch SPD sonderlich abgreifen. Dank der ‘guten Arbeit’ in der großen Koalition. Guido hat sicher schon seinen Katalog mit Forderungen für die neue Regierungskoalition in der Schublade und reibt sich die Hände…

    Unser Parteisystem wird in Zukunft sowieso eher breit als spitz, willkommen in der Zeit des Individualismus…

    Ormus

    15 Jun 09 um 09:21

    Antwort

  2. Jain. Die SPD verliert gerade ne Menge Stammwähler (was mich eigentlich wenig kümmert, da sie eh von der CDU kaum zu unterscheiden sind, nicht mal in der Rhetorik mehr). Guido wird aber, denk ich mal, ne große Überraschung erleben zur Wahl, die nicht wirklich positiv ist. Wobei das eigentlich zu früh ist, sowas zu sagen.

    captain

    15 Jun 09 um 11:46

    Antwort

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Textile-Formatierung erlaubt