Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

So lange lügen, bis nichts mehr geht

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Ist etwas, was man nicht sagt, also verheimlicht, auch eine Lüge? Das kommt auf die Betrachtungsweise an. Manch einer freut sich, wenn eine schwammige Frage gestellt wurde, um dann gekonnt um das eigentliche Thema herum zu manövrieren. Aber in vielen Fällen wird einfach drauf los gelogen, so lange, bis Beweise weitere Lügen nicht mehr zulassen. Und selbst dann kommt es nicht allzu selten vor, dass von Manipulation eben jener Tatsachen gesprochen wird. Dieses Verhalten erschwert es ungemein, denjenigen in der grauen Masse zu erkennen, der nicht gelogen hat.

Wer erinnert sich nicht an den Fall Christoph Daum, der vehement behauptete, nie Kokain genommen zu haben. Selbst als dann eine Haarprobe von ihm positiv getestet wurde, behauptete er noch eine gewisse Zeit, diese Probe sei manipuliert worden, bis er dann auf einer Pressekonferenz mit einem Grinsen im Gesicht dann doch zugab, die Haarprobe abzugeben sei ein Fehler gewesen. Schon solch ein Satz lässt keine Reue erkennen. Das traurige an der Sache ist aber, dass solche Menschen fast ausnahmslos in den wichtigsten Positionen von Politik und Wirtschaft sitzen, die die Zukunft unseres Landes bestimmen.

So geschehen in Großbritannien. Dort erschüttert seit längerer Zeit der Spesenskandal die politische Glaubwürdigkeit. Dreist und ungeniert finanzierten sich Abgeordnete des britischen Parlaments große und kleine Dinge des Alltags durch eine Spesenabrechnung.

Große Fernseher, teure Stereoanlagen, das Reinigen von Swimming Pools, das Entfernen von Maulwurfshügeln, das Auswechseln von Glühbirnen und sogar Leihgebühren für Pornofilme - es klingt lächerlich, was die Abgeordneten alles über die Spesenrechnung finanzierten.

Auch das Oberhaus ist durchzogen von Korruption.

... zwei Lords gingen verdeckten Reportern auf den Leim und boten Hilfe bei Gesetzesänderungen gegen Bezahlung an ...

Aber anstatt einen Fehler einzugestehen, und zu helfen, diesen Skandal lückenlos aufzuklären, beklagt sich eine britische Abgeordnete bei den Medien, sie fühle sich gejagt, als ob sie eine Hexe sei, und könne Politiker in den Selbstmord treiben. Es wäre vermessen zu sagen, "bitte, tut euch keinen Zwang an", aber solche Äußerungen von betroffenen Politikern sind wie direkte Faustschläge ins Gesicht von hart arbeitende Menschen, die von eben jenen "Sprücheklopfer" abhängig sind.

Doch es kommt noch schlimmer. Zwar wurden nun die Abrechnungen veröffentlicht (wohl aber nur auf einen richterlichen Beschluss des vergangenen Jahres hin), allerdings zieren nicht nur schwarze Balken die wichtigsten Stellen, viele Details wurden kurzerhand weggelassen. Dass der Daily Telegraph, welcher den Spesenskandal aufdeckte, daraufhin die Dokumente parallel unzensiert veröffentlicht, musste eigentlich klar gewesen sein. Dass die Regierung dann ihre Dokumente nur geschwärzt vorstellte, ist ein weiterer Beweis für dessen Dreistigkeit und eben jener Gedanke, "Ich lüge solange, wie ich kann, irgendwie wirds schon gut gehen".

Mich würde interessieren, ob solche Vorfälle nun auch in Deutschland "normal" seien. Wundern würde mich das nicht. Leider kommt nur die Spitze dieses Eisberges zu Tage, dessen Veröffentlichung nur durch das ewige Gerangel und Kräftemessen der sogenannten Alpha-Tiere zustande kommt, so wie ein Streit zwischen der Union und Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die Union setzte Änderungen an Steinmeiers Stellenplan durch - mit dem kaum verhüllten Hinweis, man lasse es sich nicht gefallen, dass die SPD absichtlich CDU-Abgeordnete an den Pranger stelle. Das Auswärtige Amt sei verantwortlich dafür, dass die Vorgänge in Kalifornien überhaupt publik geworden seien.

Geschrieben von Captain

20.06.2009 um 10:47:21

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