Kampf der Generationen
Angst vor Piraten haben nicht mehr nur noch Seeleute, nun schwappt die Furcht auch auf das europäische Festland über. Die Piraten, um die es hierbei geht, brechen dabei nicht das Gesetz, sondern wollen dies ändern, auf legalem Weg. Doch die Gefahr, die von ihnen kommen soll, ist Seemannsgarn. Denn kaum ein Artikel in der Presse gibt deren Ziele richtig wieder und man muss den Autoren unterstellen, schlechter recherchieren zu können als ein Journalismus-Student im ersten Semester. In ihren Vorwürfen kann man eine Angst spüren, die sich nicht um die Gerechtigkeit fürchtet, sondern um deren Haus, Auto und Yacht. Der Generationskampf beginnt gerade. Doch dreht es sich hierbei nicht um den Diebstahl geistigen oder materiellen Eigentums, so wie es den Piraten vorgeworfen wird, sondern um eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes.
Auch die Online-Ausgabe der Faz bläst inzwischen in das Selbe Horn. Wolfgang Schneider beschuldigt dabei in seinem Bericht über die Jahrestagung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Berlin diese Piraten, dass sie den illegalen Download zum Freiheitskampf verklären.
Millionen Piraten segeln auf virtueller Kaperfahrt und verklären den illegalen Download zum Freiheitskampf
Mal ganz davon abgesehen, dass hier nicht klar zwischen Download und dem Frei-Verfügbar-Machen von urheberrechtlich geschützten Daten unterschieden wird, begeht der Autor einen schwerwiegenden Fehler, mit Absicht. Zwar ist seine Aussage schwammig formuliert, aber genau das ist das Gefährliche daran. Er suggeriert mit einem Unterton eine Verbindung zwischen den Kriminellen im Internet mit der Piratenpartei. Seine "virtuellen Piraten" grenzt er nicht scharf genug ab und nutzt damit den, sagen wir etwas spektakulären Namen, um sein Ziel zu erreichen: Die Piratenpartei mit den Kriminellen gleichzusetzen. So klagt er die "neue Generationspartei" an, dass ihnen "der Begriff des geistigen Eigentums offenbar fremd sei." Dabei nutzt er Gottfried Honnefelder aus, der diese Worte bei eben jener Jahrestagung ausgesprochen hat, um sie nicht selbst schreiben zu müssen. Man macht sich ja nicht die Hände schmutzig.
Diese nicht ausgesprochene, aber suggerierte Gleichstellung ist die einzige Möglichkeit für die Presse, der Piratenpartei ans Bein zu pinkeln. Denn jeder seriöse Journalist, der auch nur ein wenig auf sich hält, würde mit offenen Angriffen auf diesem Gebiet zeigen, wie schlecht doch seine Grundfähigkeiten, die Recherche und Textanalyse, sind. Denn nur ein paar Klicks entfernt liegt das Programm eben jener Partei frei zugänglich im Internet, welches an manchen Stellen vielleicht genauso schwammig formuliert ist, wie es bei jeder Volks- und Spaßpartei im Bundestag, aber wo nichts darauf hindeutet, dass die Piraten kostenlose Downloads ohne Berücksichtigung des geistigen Urhebers befürworteten, oder andere Angriffsflächen bieten.
Schneider hat erreicht, was Torben Waleczek nicht geschafft hat. Während Waleczek stümperhaft seine schlechte Qualität als Journalist zeigt, hat Schneider im Gewand eines Opfers die Piratenpartei als Täter angeklagt, ohne sich dabei selbst blos zu stellen, glaubt er zumindest. Aber das zeigt, dass sie Angst haben.
Sie haben Angst, dass unsere Gesellschaft ihre Stimme erhebt. Dass eine neue, gebildete Generation endlich das durchsetzt, was seit langem in den Verfassungen der westlichen Welt verankert ist - Gleichheit und Gerechtigkeit.
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Recherche, Hintergrundwissen und Neutralität sind Güter, die in den heutigen Medien leider zu oft vergessen sind…