Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

Auge um Auge, Zahn um Zahn - Warum nicht

Mit 2 Kommentaren

Stetig wird auf den Spruch im Alten Testament verwiesen. Was du mir angetan hast, das werde auch ich dir antun. Was in Europa verboten ist, wird in anderen Ländern als Gesetz angewendet. So auch im Fall von Amene Bahrami. Ein Mann, der ihre Liebe nicht gewinnen konnte, bespritzte ihr Gesicht mit Säure, so dass kein anderer Mann sie besitzen wolle. Der oberste Gerichtshof im Iran hat ihr im November 2008 zugestanden, dass sie nun diesem Mann auch Säure in die Augen spritzen darf. Als Strafe, als Rache, und, so wie sie sagt, für die Frauen im Iran. Denn, "würde noch eine Frau mit Säure verätzt, könnte ich mir das niemals verzeihen". Ist solch ein Strafsystem gerecht?

Außerdem sagt sie in Hinsicht auf den Todeswunsch des Täters (Lieber sterbe er, als sich solch einer Strafe auszusetzen): "Er darf nicht einfach weg sein. [...] Er soll leiden wie ich." Diese Worte klingen nicht mehr nach der Fürsorge für die Frauen im Iran. In den Worten liegt der Geschmack der Rache. Doch was würde eine Gefängnisstrafe bringen? Bzw., wie viele Jahre wiegen das Augenlicht eines Menschen auf? Dass der Täter lieber sterben würde, als seine Sehkraft zu verlieren, spricht Bände.

Wer jetzt sagt, eine Strafe darf nicht aus Rache bestehen, der sollte sich die Streitigkeiten der Parteien in unserem Bundestag anschauen. Da gibt es genug Beispiele, wo Politik für Rache missbraucht wird.

Rache basiert darauf, dass ein Vergehen vergolten wird, und meist mit der selben Aktion, wie das Unrecht geschah. Wie du mir, so ich dir. Brichst du mir den Arm, breche ich deinen. Stiehlst du mir den Fernseher, stehle ich deinen.

Doch gibt es Unterschiede. Wer einen Fernseher stiehlt, gehört ins Gefängnis. Dem Opfer wird der Fernseher zurück gegeben, oder es erhält einen Ausgleich, um sich einen neuen zu kaufen. Körperverletzung sieht da schon wieder anders aus.

Körperverletzung ist irreparabel. Selbst wenn eine Verletzung wieder heilt, bleibt immer eine Einschränkung zurück, auch wenn sie kaum noch spürbar ist. Schlimmer noch, wenn zusätzlich Narben oder offensichtliche Behinderungen entstehen, kann das nicht so einfach vergessen werden. Das Opfer wird jeden Tag an die Tat erinnert und das Leben kann nicht mehr so frei gestaltet werden wie zuvor. Narben, oder ein lahmer Arm, oder ein lahmes Bein sind dabei noch recht harmlos. Für einen leidenschaftlichen Tennis-, oder Fußballspieler allerdings nicht mehr. Und was, wenn man durch eine Tat erblindet? Ein Vergewaltigungsopfer, vor allem Kinder, leiden ihr restliches Leben darunter.

Wieviel Jahre Gefängnis soll in den genannten Fällen die Tat aufwiegen. Oder gar nur Monate?

Gefängnis alleine kann diese Schuld nie vergelten. Selbst wenn der Täter lebenslang eingesperrt wäre. Deswegen befürworte ich in vielen Fällen eine "Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn"-Strafe und kann Amene Bahrami sehr gut verstehen. Sicherlich bringt ihr der Vollzug der Strafe, die für den Täter in ihrem Fall vorgesehen ist, das Augenlicht nicht zurück. Aber eine Gefängnisstrafe auch nicht. Es ist nicht nur die Genugtuung, zu wissen, dass er nun mit den selben Schwierigkeiten leben muss, wie sie auch, es ist auch eine Warnung an all diejenigen, die denken, jemanden etwas anzutun, was man selbst nicht erleiden möchte.

Tags für diesen Artikel: , , , , , ,

Geschrieben von Captain

27.06.2009 um 15:28:36

Abgelegt in Gesellschaft, Philosophie

0 Trackbacks zu Auge um Auge, Zahn um Zahn - Warum nicht

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

  1. Keine Trackbacks

2 Kommentare zu Auge um Auge, Zahn um Zahn - Warum nicht

  1. Sorry, aber die olle biblische Nummer funzt mal gar nicht. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir immer nur vergelten? Die Antwort findest du im Nahen Osten. Ich finde bestrafen gut, vergelten ist so Mittelalter…

    Ormus

    29 Jun 09 um 09:26

    Antwort

  2. Was ist denn die heutige Strafe, etwa keine Vergeltung oder Rache? Und was willst du mir mit dem Fernen Osten sagen? Menschen sind sich nicht bewußt, was sie ihren Mitmenschen antun. Und um eine Schuld bei einigen Verbrechen zu begleichen, ist Haft nicht ausreichend.

    Captain

    29 Jun 09 um 15:57

    Antwort

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Textile-Formatierung erlaubt