Vollbeschäftigung und Steuern runter
Um bei den Wählern zu punkten, greifen beiden Kanzlerkandidaten tief in die Trickkiste. So verspricht der eine, die Arbeitslosigkeit bis 2020 auf 0 zu drücken, und die andere, die Steuern zu senken. Beide Versprechen wirken etwas deplatziert, wenn man sich die momentane wirtschaftliche Situation betrachtet. Deswegen werden auch beide Ziele von vielen Seiten scharf kritisiert. Doch so unglaublich diese Vorhaben auch wirken mögen, so unwahrscheinlich sind sie gar nicht, vor allem dann, wenn sie Hand in Hand gehen, wie in einer Koalition.
Dass der Vorschlag von Frank-Walther Steinmeier, die Arbeitslosenquote auf 0 Prozentpunkte drücken zu wollen, eine gewisse Lächerlichkeit enthält, wissen nicht nur dessen Kritiker. Sieben Jahre hatte die Rot-Grüne Regierung Zeit, solche Ziele anzupacken und umzusetzen. Allerdings scheiterten nicht nur die Versuche eine wirkliche Wende nach den schwarzen 16 Jahren zu bringen kläglich, sondern auch das Regierungsbündnis. Doch nun will der Schröder-Freund genau das erreichen?
Doch nicht nur er gibt sich dem Spott preis. Auch Angela Merkel will die Steuern so schnell wie möglich senken. Lieber heute, als morgen. Zumindest wenn man ihren Aussagen Glauben schenken mag. Doch wie soll die teure Wirtschaftskrise gegenfinanziert werden? Wo sollen die Milliarden und Aber-Milliarden herkommen, die in den vergangenen 18 Monaten verpulvert wurden? Mal ganz abgesehen davon, dass vor allem die, welche die Verlierer dieser Wirtschaftskrise sind, diesen Freikauf finanzieren dürfen fehlt einfach das Geld, um auf Steuermilliarden verzichten zu können.
Weniger Steuern kann aber nur funktionieren, wenn die Anzahl der Steuerzahler steigt. Das bedeutet wiederum, es braucht mehr Menschen in Lohn und Brot, und damit weniger Arbeitslose.
Es ist so, als ob beide wüssten, dass es in Deutschland genug Geld gibt, jedem Menschen eine maximal 6 Stunden Arbeit zu geben, mit einer weitaus ausreichenden Bezahlung, um ihn und seine Familie gesund überleben zu lassen und dabei noch genug Geld abfällt, um dessen Freizeit individuell zu gestalten. Doch dies würde bedeuten, nicht mehr das Raubtier zu spielen, sondern für die Herde, also die Gemeinschaft zu arbeiten und es verlangt eine radikale Wende in der Wirtschafts- und Steuerpolitik.
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