Kritik vs. Kritik
Leider musste ich meine Blog-Aktivitäten etwas einschränken, da mein Leben zur Zeit an einer entscheidenden Phase angelangt ist, in die meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Allerdings versuche ich trotzdem, wieder öfter meine Meinung hier kund zu tun. Der große Aufreger in dieser Woche ist Franz Josef Jung, derzeit Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings stelle ich mich nicht in die gleiche Reihe der Kritiker, die ihn derzeit scharf kritisieren, sondern muss ihn verteidigen. Denn am Ende macht er nur seinen Job.
Es steht außer Frage, dass das Bombardement auf die zwei von Taliban gestohlenen Tanklastern untersucht werden muss. Die Nato hat eine solche Untersuchung eingeleitet. Diese ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Das bedeutet, dass die Informationen, die zur Zeit im Umlauf sind, durch verschiedene Institute (Medien, Militär, Informanten) vorgefärbt sein können. Dies hält aber viele Seiten nicht davon ab, teils sehr scharfe Kritik an dem Einsatz, dem deutschen Militär und dem Verteidigungsminister Jung zu üben.
Allen voran gehen die Linken und Grünen, die im Wahlkampf mit ihrer Forderung, aus Afghanistan abzuziehen, punkten wollen. Aber auch die Außenminister verschiedener europäischer Länder halten sich mit Kritik nicht zurück.
Kritik ist gut. Aber ob sie berechtigt sein kann, ohne das grundlegende Informationen zur Verfügung standen? Das wage ich zu bezweifeln. Und bisher fand ich in der deutschen Berichterstattung über diesen Vorfall keine Hinweise, die den Bombenabwurf als übertrieben und falsch brandmarken. Die deutschen Soldaten sind dort, um das Land wieder aufzubauen. Das bedeutet aber auch, diesen Wiederaufbau zu schützen. Wenn dazu Waffengewalt nötig ist, dann kann der deutsche Soldat nicht darauf warten, mit einem Messer im Rücken auf zu wachen. Doch scheinbar brauchen die Taliban dafür keinen Finger krumm zu machen; in Europa, ja im eigenen Land gibt es genügend, die das Messer bereits in der Hand halten. Damit sie aber nicht zum Zug kommen, dafür steht derzeit Jung und das Verteidigungsministerium zur Stelle, die versuchen unseren Jungs in Afghanistan den Rücken frei zu halten.
Ich bin kein Befürworter von Gewalt. Aber selbst wenn aus Zehn minus Acht gleich Zwanzig Taliban werden, liegt es nicht an der Vorgehensweise der Bundeswehr, das Vertrauen der Bevölkerung in die Isaf-Truppen zu zerstören. Dieser Zug ist längst abgefahren. Vor allem weil die Amerikaner von Anfang an auf das Gas gedrückt haben.
Zwei Tanklastzüge als fahrende Bombe in den Händen von Aufständischen hätte wohl weit mehr Schaden angerichtet als das Bombardement. Außerdem fand der Angriff auf die gestohlenen Laster nachts gegen 2:30 Uhr Ortszeit und außerhalb von Ortschaften in einem Flussbett statt. Da stellt sich mir die Frage, was Zivilisten in einem Land, in dem Terror und Kampfhandlungen vorherrschen, dort zu suchen haben?
Bei der Online-Ausgabe der Taz heißt es, dass die Taliban das Benzin mit der Bevölkerung geteilt hätten und sich deswegen so viele Nicht-Taliban unter den Opfer befanden. Kann das aber der Bundeswehr vorgehalten werden?
Solange aber die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, können die meisten Fragen nicht beantwortet werden. Das bedeutet aber auch, dass voreilige Kritik, so wie sie zur Zeit vorherrscht, unqualifiziert und unangebracht ist.
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