Fall Polanski - ein schamloser Offenbahrungseid der "Kultur"
Sollte es einem Menschen, oder einer Menschengruppe erlaubt sein, über dem Gesetz zu stehen? Die Frage ansich klingt schon grotesk. Unser Rechts- und Unrechtsempfinden basiert auf die Gleichstellung der Menschen. Das zumindest wird uns von Politikern und Menschenrechtlern stetig suggeriert. Doch so einfach scheint es nicht zu sein, denn das Echo auf die Verhaftung von Roman Polanski zeugt vom Gegenteil.
Roman Polanski, bedeutender Regisseur wurde nun in der Schweiz verhaftet, da die USA einen weltweiten Haftbefehl gegen ihn erlassen hat. 1978 soll er eine damals 13-Jährige sexuell missbraucht haben. In Folge der Untersuchungen gestand Polanski später die Straftat, doch weil das Verfahren nicht so zu laufen drohte, wie es sich der identifizierte Täter gedacht hatte, floh er nach Frankreich, da dieses Land keinen Auslieferungsvertrag mit den USA unterzeichnet hatte. Nun wurde ihm eine Reise zu dem Züricher Filmfestival zum Verhängnis.
Kaum dass der Künstler verhaftet wurde, regte sich Empörung über den Vorgang, was absolut unverständlich ist. Der Schweiz wurde gar vorgeworfen, ein kulturfreies Land zu sein, was sich in der Definition des Begriffs Kultur bereits widerspricht. Von vielen Seiten wird die Freilassung Polanskis gefordert, unter anderem vom schweizerischen Regisseuren-Verband und dem polnischen Außenminister Radek Sikorski.
Welcher Grund sollte vorliegen, dass ein Mensch, der eine so tiefgreifende Straftat begangen hat, nicht auch dafür bestraft werden sollte? Steht Polanski über dem Gesetz? Darf er kleine Kinder missbrauchen, ohne dafür bestraft zu werden? Wer eine der beiden Fragen mit "Ja" beantworten sollte, der müsste sich einmal fragen, auf welchen Grundlagen wir dann unser modernes Gesellschaftssystem aufbauen sollen, wenn gewissen Personen darüber stehen dürfen. Ist das Gerechtigkeit?
Das Opfer hat ihm längst verziehen. Auch sie ist dafür, den Fall ad acta zu legen. Allerdings geht das nicht so einfach. Einmal ganz abgesehen davon, welche Botschaft damit der Gesellschaft vermittelt wird, muss eine Straftat gesühnt werden. Polanski hat sich selbst schuldig bekannt, und scheinbar steht dessen Schuld auch außer Frage. Dennoch und gerade weil er schuldig ist, hat er aber gefälligst die Strafe anzutreten. Seine Flucht sollte ihm in seinem Prozess zusätzlich zur Last gelegt werden.
Auch wenn er eine nicht wegzudenkende Ikone unserer Kultur sei, bedeutet das nicht, dass er über dem Gesetz steht. Und all jene, die dessen Freilassung fordern, stellen nicht nur den Täter, sondern auch sich selbst über das Gesetz. Gleichheit ist eine Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft. Sollte diese Gleichheit angegriffen werden, gibt es keine legitime Möglichkeit mehr, Recht zu sprechen.
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