Richtungswechsel
Wahlkampfrhetorik ist sehr schön anzuhören. Da wird den Zuhörern ein Ideal vorgestellt, an dem sich Politiker messen lassen wollen. Zumindest bis zur Wahl. Danach kommt es ganz darauf an, wie die Wähler entschieden haben. Sobald die ersten Prozente bekannt sind und die Ergebnisse entsprechen so gar nicht den Hoffnungen oder Wünschen, dann beginnt es sofort in den Köpfen der Spitzenkandidaten zu rotieren an. Die große Frage lautet: In welcher Konstellation kann ich wie am besten (mit-)regieren? Das denkt sich seit den Landtagswahlen SPD-Chef Christoph Matschie in Thüringen und sein Grünen-Pendant im Saarland Hubert Ulrich. Versteht mich nicht falsch, jeder Partei-Vorsitzender, bzw. Spitzenkandidat denkt das, aber hier sollen mal diese beiden im Vordergrund stehen, vor allem Letzterer.
Ich habe mich nun schon darüber ausgelassen, wie Christoph Matschie in Thüringen seine Wähler betrügt, indem er sie zuerst aufgefordert hatte, ihn in seinem Kampf gegen Schwarz(-Gelb) zu unterstützen, um sich dann doch am Ende gegen sie zu richten, da er nun mit der CDU koalieren will, anstatt ein starkes Linkes Lager zu schaffen.
Und da hat Hubert Ulrich viel mit Matschie gemeinsam. Zwar führt er im Saarland nicht die SPD, aber doch eine Partei, die, wenn man ihrem Wahlprogramm vertrauen mag, auch eher links ausgerichtet ist, als liberal. So zumindest sehe ich die Grünen, egal ob auf Bundes-, Landes- oder Sonstiger-ebene.
Und wie Matschie, spuckte auch Ulrich vor der Wahl große Töne – vor allem gegen die CDU, denn sie galt es abzuwählen.
Nun sind die Wähler im Saarland, ähnlich wie in Thüringen, der Wahlkampfrhetorik der beiden Streithähne gefolgt. Die CDU verlor die absolute Mehrheit und könnte selbst in einer schwarz-gelben Koalition nicht die Regierung stellen, ohne sich von einer dritten Partei dulden zu lassen. Sprich, die Mehrheit hat ein linkes Lager gewählt, und hat sich gegen eine Regierungsbeteiligung der CDU ausgesprochen. Doch genauso wie Matschie interessiert das Ulrich kein bisschen.
Auch Ulrich wand sich von einer linken Koalition ab und zieht es wohl nun vor, sich einer Regierung derjenigen unterzuordnen, die es vor der Wahl galt zu bekämpfen, koste was es wolle. Und so schließt sich der Kreis. Denn beide, Matschie wie Ulrich ziehen es vor, ihre persönlichen Gefühle gegen gewisse Personen eines möglichen Koalitionspartner höher zu bewerten als politische Gemeinsamkeiten, auch wenn das ein Bruch mit den Versprechen bedeutete, auf die ihre Wähler zuvor gebaut hatten.
Aber so passen sie sich ganz dem Stil der deutschen Politik an: Lügen und betrügen bis es nicht mehr geht. Und dann fragen sich wirklich noch Experten, warum die Politikverdrossenheit steigt und die Wahlbeteiligung stetig sinkt.
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