Es reicht langsam
Die Fälle, in denen Mitarbeiter für Nichtigkeiten fristlos gekündigt wird, häufen sich. Erst die Kassiererin, die wegen zwei von Kunden vergessenen Leergutbons in schwindeleregender Tiefe ihren Job verlor, dann ein Müllmann, der ein Kinderbett von der sprichwörtlichen Müllkippe "stahl", ein Fabrikarbeiter, der wegen des Diebstahls von Strom (für das Aufladen seines Handys) hinaus geworfen wurde, eine Büroangestellte, die es sich erdreistete, eine Bulette von einem reich gedeckten Tisch zu verzehren (oh ich vergaß, ein Brötchen gehörte auch dazu), kommt nun eine Altenpflegerin hinzu, die übrig gebliebenes Essen, was so oder so in den Abfall wandern würde, mit nach Hause nahm und dafür nun mit einer fristlosen Kündigung belohnt wurde. Habt ihr alle nun endgültig den Verstand verloren?
In jedem Fall wurde die Kündigung damit gerechtfertigt, dass das Vertrauensverhältnis nun gestört sei, und man mit dieser Person nicht mehr arbeiten könne. Was für ein Humbug ist das denn? In keinem Fall ist von einer Abmahnung oder einem klärenden Gespräch zu hören. Wie zerrüttet muss das Verhältnis denn schon vorher gewesen sein, dass nicht einmal die Grundregeln für ein gemeinschaftliches Leben beachtet werden (sprich Kommunikation), sondern gleich mit Kündigungen um sich geworfen wird?
Der Arbeitgeber sitzt halt am längeren Hebel. Ginge es nur um das Verhältnis, und nicht um die schlechte Arbeitsmarktsituation für Arbeitnehmer, würden sich viele Betriebe umschauen, wie wenige Menschen noch bei ihnen arbeiten würden. Aber der Arbeitnehmer hat keine Wahl, der Arbeitgeber schon. Falls er den Platz überhaupt neu besetzen will, gibt es genügend Leute, die sich um den Job reißen würden, und dann auch noch für weniger Geld. Das freut jeden Arbeitgeber.
Was sagt uns das? In den meisten Firmen/Betrieben/oder was auch sonst ist die Arbeitsatmosphäre und das Verhältnis bereits so vergiftet, was die Arbeitgeber aber nicht interessiert. Wichtiger für sie ist, unliebsames, bzw. zu teures Personal los zu werden. Da werden die kleinsten Fehler gesucht, um das Ziel zu erreichen. Wenn sich Arbeitnehmer darüber beschweren, wird ihnen nahe gelegt, doch zu kündigen. Arbeitgeber hingegen suchen direkt nach der schlechten Linse im Eintopf. Traurige Gesellschaft.
0 Trackbacks zu Es reicht langsam
- Keine Trackbacks
2 Kommentare zu Es reicht langsam
-
Schon alleine die Anweisung, keinen ABFALL mitnehmen zu dürfen spottet nur so mit Hohn. Abfälle kosten dem Unternehmen, die müssten eigentlich FROH sein, dass jemand für sie die Abfälle entsorgt. Doch in der Altenpflegerbranche herrscht Lohndumping, vor allem für Nicht-Fachkräfte, weswegen die auch so beliebt bei den Firmen sind. Und weil der Einstieg auch so einfach ist, wird versucht, diese Nicht-Fachkräfte durch billigere auszutauschen. Ich persönlich habe da kaum Erfahrung, abgesehen dass im nahen Freundeskreis jemand betroffen ist. Es geht etwas GANZ falsch in dieser angeblichen “sozialen Marktwirtschaft”.


Nunja, der letzte Fall basiert aber auch zum grossen Teil auf den äusserst unklugen Aktionen der Mitarbeiterin im Altersheim. Es gab schliesslich die klare Anweisung, kein Essen mitzunehmen! Und Anweisung ist Anweisung. Da gelten auch Ausreden wie “Ich hatte ja keine Zeit für was anderes” nicht. Schliesslich hätte sie auch einfach ihren Chef fragen können. Ansonsten finde ich die bekannt gewordenen Fälle auch albern, kann aber teilweise auch die Chefs verstehen. Lassen sie es einmal durchgehen, müssen sie es immer durchgehen lassen.
Ausserdem werden natürlich auch nur die Negativbeispiele publik. Oft genug werden Arbeitnehmer sicher mit Abmahnungen (auch für schlimmere vergehen) davon kommen, darüber berichtet nur keiner!