Armee-Praktikum
Wer schon immer einmal ein Praktikum bei der Armee machen wollte um hinein zu schnuppern, hat ab 2011 wohl die Gelegenheit dazu. Denn CDU und FDP wollen die Wehrdienst auf sechs Monate verkürzen. Was soll dort den "Soldaten" in dieser kurzen Zeit eigentlich noch beigebracht werden?
Das Prinzip Wehrdienst ist sowieso umstritten. Dabei geht es nicht um sechs, neun oder zwölf Monate, sondern darum, wie sinnvoll eine Ausbildung an der Waffe für junge Menschen heute noch ist. Denn seien wir einmal ehrlich, was glauben Sie, wieviele Wehrdienstler bleiben im Ernstfall mit der Waffe stehen? Mir selbst hat ein "Bundi", der gar länger als die normale Dienstzeit bei der Armee blieb, dass er der erste sei, der im Ernstfall nicht mehr auffindbar ist.
Trotz meiner pazifistischen Einstellung sehe ich die Notwendigkeit eines stehenden Heeres. Es gibt zu viele Krisengebiete, die eine militärische Hilfe benötigen. Natürlich sollten solche Einsätze in erster Linie humanitärer Art sein, sprich zum Schutz der dortigen Bevölkerung vor Terror und Gewalt dienen. Dies ist die Aufgabe einer Armee im 21. Jahrhundert und beinhaltet auch Länder, in denen staatliche Tyrannei und Unterdrückung an der Tagesordnung sind. Der Fall Hitler hat gezeigt, dass Reden und Diplomatie manchmal keine Früchte tragen.
Ist eine Verkürzung des Wehrdienstes aber nun sinnvoll oder nicht?
In der Abschaffung dieser Zwangsverpflichtung sehe ich einige wichtige Vorteile. Wehrdienstler sind keine ausgebildete Soldaten. Sie können, abgesehen von einer hohen Deserteur-Quote, in einem Ernstfall kaum etwas anrichten. Zum zweiten bilden sie in erster Linie Kanonenfutter. Ob das sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Hinzu kommt, dass mit dem Wegfall des Wehrdienstes auch die Zivildienststellen abgeschafft würden, und damit eine Arbeitsstelle nicht mit zwei billigen Zivis belegt wird. Darin sehe ich einen enormen Pluspunkt, auch wenn in Kostenstellen vieler Institutionen die Hände über den Kopf zusammengeschlagen werden würden.
Zwar besteht in einer kurzen Wehrdienstzeit der Vorteil, dass tatsächlich in den Beruf hinein geschnuppert werden kann, allerdings empfinde ich den Wert nicht sonderlich hoch und rechtfertigt kaum die Kosten, die damit entstehen. Selbst wenn solch ein "Praktikum" auf freiwilliger Basis stattfindet, sollte dies wenigstens ein Jahr dauern, denn in sechs Monaten halte ich es für unmöglich, einen umfassenden Einblick in das Soldatenleben zu geben.
Die eingesparten Kosten für den Wehrdienst kommt dann der Betreuung, Ausbildung und Ausrüstung zu gute, die in vielen Bereichen als mangelhaft bezeichnet werden.
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