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Die Gefahr im Internet

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Es gibt viele Gefahren, die im Internet lauern. Böse Viren, Trojaner oder andere Schadsoftware kann sich der unbekümmerte oder unvorsichtige User einfangen, um sich dann mit Datenklau oder Fehlverhalten seines Systems herumzuschlagen. Doch nicht nur die bösartigen Programme bedrohen das Internet, auch eine Eigenheit des menschlichen Verhaltens. Ein schönes Beispiel dafür hat eine "bissige" Journalistin/Schriftstellerin, ein etwas unbekümmerter Blogger und die Netzgemeinde geliefert. Doch worum geht es?

Philipp hat auf dem nicht-kommerziellen Gemeinschaftsblog nom nom nom einen Artikel geschrieben. Dieser Artikel soll den Leser auf eine Kolumne hinweisen, die von Eva C. Schweitzer geschrieben wurde. Der Artikel von Philipp besteht dabei aus vier selbst geschrieben Zeilen und einem dann doch recht umfangreichen Zitat aus eben genannter Kolumne.

Schweitzer kam in Folge von Ideenklau in der Vergangenheit auf die Idee, im Netz recherchieren zu lassen, wer alles ihre Artikel für lau nutzt und Online stellt. Dabei ist in der von ihr so genannten Schleppnetzfahndung eben jener Artikel von Philipp hängen geblieben, und der Anwalt, den die Autorin beauftragt hatte, schickte nun dem verdutzten Blogger eine Abmahnung. Die Netzgemeinde nahm sich diesem Ereignis an und es wurde auf verschiedenen Seiten kontrovers diskutiert. Die wohl bekanntesten sind Spreeblick und Netzpolitik.org.

Fazit der ganzen Geschichte ist, dass Schweitzer die Abmahnung fallen gelassen hat, weil ihr ...

eigentliches Ziel [...] Verlage und kommerzielle Reiseportale [sind], die sich mit New York-Geschichten schmücken, damit Leute auf ihrer Seite einen Flug nach JFK buchen.

So weit so gut.

In diesem Artikel geht es mir allerdings nicht um die Naivität von Philipp, der sich mit seinem Blogeintrag arg weit aus dem Fenster gelehnt hat, auch nicht um den übertriebenen Feminismus von Frau Schweitzer, die mit ihrer "Bissigkeit" mehr Öl ins Feuer gießt, als den Sand, den sie in ihrer "Erklärung" eigentlich herauf beschwören wollte.

Vielmehr geht es mir um die Art und Weise, in der alle beteiligten Personen, angefangen von Philipp, über die Autoren der oben erwähnten Beiträge und vielen (nicht allen) Netznutzer, die ihren Kommentar auf den Seiten hinterlassen haben. (Ausgelassen wird hier explizit der Anwalt von Schweitzer, der dem schlechten Ruf seiner Zunft meines Erachtens alle Ehre erweist. Dazu aber vielleicht in einem späteren Beitrag.)

Einige Beiträge zeugen von einer Aggressivität einer anderen Person gegenüber, die erschreckend ist. Damit scheint es nicht verwunderlich, dass die Autoren von Spreeblick und netzpolitik.org explizit darauf hinweisen, dass Kommentatoren Beleidigungen oder Hassmails bitte unterlassen sollen. Wieso dieser besondere Hinweis?

Wenn man sich auf verschiedenen Blogs und Chats umschaut, scheint solch eine Bitte gar nicht mal so abwegig. Es wird beleidigt, beschimpft und sogar ganze Hasstiraden losgelassen, obwohl sich die beteiligten Diskussionspartner nicht einmal kennen. Eigentlich sind diese "Gespräche" ebenso Gedankenaustausch wie eine gesprochene Unterhaltung. Dennoch scheinen viele, besonders im Netz, die Gefühle dabei nicht unter Kontrolle zu haben.

Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. Zum einen lässt die Anonymität des Netzes das Gesicht des Gegenüber verschwimmen. Der Interaktionspartner wird sich vielleicht noch als Mensch vorgestellt, er verliert aber sein Gesicht, und damit auch seine Persönlichkeit inklusive aller Gefühle. Dadurch fällt es leichter Aggressionen freien Lauf zu lassen, die man in einem Gesicht-zu-Gesicht Gespräch nie zeigen würde. Es fehlt die "Menschlichkeit" hinter dem Namen und Synonymen wie Captain, Ei100, Philipp oder Eva C. Schweitzer. Demzufolge ist es auch schwieriger, ein Gefühl zu entwickeln, wenn man sich im Ton etwas vergriffen hat.

Der zweite, auch sehr wichtige Grund ist, dass weil die "Menschlichkeit" hinter den (Spitz-)Namen fehlt, gehen damit auch wichtige Komponente im Gespräch verloren: der Ton und die Mimik. Deswegen ist das Sprichwort, "Der Ton macht die Musik" auch nicht unbegründet und so verbreitet. Feine Nuancen in der Tonlage und dem Gesichtsausdruck gehören zu einer Unterhaltung dazu, wie die Butter auf einem Butterbrot. Das kann aber das Netz nie leisten. Deswegen ist es manchmal auch nicht einfach, Feinheiten in einem Text so zu verstehen, wie der Autor es gewollt hat. (Mal ganz davon abgesehen ist es auch oft schwierig, einen Gesprächspartner, der einem gegenüber sitzt, so zu verstehen, wie er es meint.)

Zu der örtlichen Begrenzung kommt aber zusätzlich noch eine zeitliche Begrenzung hinzu. Da nicht jeder zur gleichen Zeit online ist, sind Miss- und Unverständnisse so schwerer zu hinterfragen. Selbst ein Gespräch im Chat hat ähnliche Schwierigkeiten, auch wenn beide Partner miteinander "live" sprechen. Doch schon alleine der Fakt, dass einer der beiden schneller und mehr schreibt als der andere, kann zu bizarren Unterhaltungen führen.

Was bedeutet das für den angesprochenen Fall? Die Abmahnung durch einen Anwalt klang sehr bedrohlich. Die aufgebrachte Netzgemeinde mit ihren voreiligen Anschuldigungen auch. Die "Bissigkeit" der Autorin auf diesen Angriff auf ihre Person hat ebenso dazu beigetragen, dass die Atmosphäre um diesen Fall herum sich so aufgeladen hat. Jeder fühlt sich im Recht, welches er auch mit Überdeutlichkeit vertreten hat.

Allerdings scheint diese Aggressivität kaum zu verwundern. Vorbilder, oder besser gesagt Menschen, die in Politik und Gesellschaft mit gutem Vorbild voran gehen sollten, schaffen es wegen ihres angekratzen Egos nicht, sich vernünftig zu unterhalten und werfen mit Beleidigungen nur um sich. Bestes Beispiel dafür ist die langwierige Auseinandersetzung vor und nach dem Bruch der großen Koalition in Schleswig-Holstein, wo SPD-Chef Ralf Stegner und sein CDU-Pendant Peter Harry Cartstensen sich einen unwürdigen Kleinkrieg erlaubten. (Da fragt man sich, wie solche Menschen eigentlich noch einen hohen politischen Posten einnehmen können.)

Dennoch liegt die letztendliche Entscheidung für einen Beitrag zur Netzgemeinde beim Nutzer. Doch gibt es viel zu viele, die sich einfach nur zu wenig Gedanken über ihre Art und Weise machen, wie sie das Internet gebrauchen. Ein bisschen freundlicher, ein bisschen klarer, und der Fall Philipp vs. Schweitzer, Blogger vs. Journalisten kann viel entspannter aufgeklärt werden, als es hier der Fall war.

Geschrieben von Captain

30.10.2009 um 13:46:06

Abgelegt in Gesellschaft, Kultur

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