Der Mob, den ich rief …
Die Blogger-Gemeinde hat wieder einen Aufhänger zum Aufregen, vor allem da einer aus ihren Reihen abgemahnt wurde. Philipp (in welcher Form auch immer geschrieben) heißt der Täter, und hat ein etwas gewagtes Zitat eines Artikels der Gegenpartei, der Journalistin und Schriftstellerin Eva C. Schweitzer gebracht. Die ganze Geschichte ist inzwischen so bekannt, dass ich sie hier nicht noch mehr darstellen muss. Sie (also die Geschichte) zeigt, dass der Mob, den Johnny Haeusler rief, sich verselbständigte und ihn nicht mehr los wurde. Und nun rennt eben jener Mob blind gegen Windmühlen an.
Wie die Blogger-Szene auf Abmahnungen reagiert, verdeutlicht Fefe sehr deutlich. Bereits beim Begriff “Abmahnung” war ihm schon alles klar. Das ist auch ein wenig verständlich, bedeutet solch ein Schreiben zumeist eine rigorose “Nulltoleranz-Politik” seitens des Auftraggebers, sprich von Eva Schweitzer. Diese Auffassung teilt eben auch Fefe. Er schreibt:
Für mich persönlich war die Sache beim Wort "Abmahnung" schon klar. Gegenüber Abmahnern und ihren Auftraggebern pflege ich eine Nulltoleranzpolitik.
Mal ganz abgesehen von solch einer Doppelmoral (er prangert eben das an, was er selbst vertritt *Nulltoleranzpolitik*) bedeutet eine Abmahnung erst einmal viel Stress und Angst seitens des Bloggers, mit Kosten konfrontiert zu werden, die in keinem Verhältnis zu seinem meist nicht-kommerziellen Blog stehen. Aus diesem Grund halte ich die Vorgehensweise von Frau Schweitzer erst einmal für übertrieben. Die Kommentare bei den Spreeblick-Artikeln hier und hier, sowie auf dem Taz-Blog von Schweitzer zeigen, dass die Blogger-Gemeinde das genauso sieht.
Schweitzer sieht das ähnlich. In der Stellungnahme, die sie Johnny Haeusler zukommen lassen hat, verweist sie darauf, dass sie keineswegs die nicht-kommerziellen Blogs, sondern kommerzielle Seiten treffen wollte. Sie schreibt:
Das [die Schleppnetzfahndung – Anm. d. Autors] richtet sich vor allem gegen Zeitungen und kommerzielle Reiseportale.
Das sich darin auch einige politische Blogs verfangen haben, ist eigentlich recht logisch. Dies musste nicht nur Philipp feststellen, sondern auch weitere Blogger, wie Schweitzer auch ohne Umschweife zugab. Einige meldeten sich daraufhin bei ihr. Ihre Antwort war, dass sie eigentlich keine Blogger treffen wollte, die in ihrer Freizeit und ohne kommerziellen Nutzen eine Meinungsseite unterhalten. Man einige sich schon.
Doch bekam der Fall mit Philipp eine größere Dimension, da auf Spreeblick ein Artikel veröffentlicht wurde, indem der Fall der breiten Blogger-Szene zugänglich wurde. Wie wir bereits bei Fefe sehen konnten, gehen bei Bloggern bei solchen Sachen die Scheuklappen hoch, was, wie bereits gesagt, auch verständlich ist. Zudem klingt der Brief des von Schweitzer beauftragten Anwaltes, so wie ihn Haeusler zitiert hat, sehr bedrohlich, da es keineswegs klar ist, wie ernst es dem Auftraggeber dahinter wirklich ist. Viele Beispiele in der Vergangenheit haben gezeigt, dass solch ein Text eine wirkliche existenzielle Bedrohung darstellt, und (ich wiederhole mich zwar, muss aber immer wieder gesagt werden) damit die Angst der Blogger verständlich macht. (später komme ich noch darauf zurück)
Auch wenn diese Angst und die Übertreibung, welche dieser “Drohbrief” von Schweitzers Anwälte verbreitete, den Sarkasmus in Haeuslers ersten Beitrag erklärt, rechtfertigt sie die Art und Weise des Artikels nicht ganz. Denn Häusler hat damit auch darauf spekuliert, zusätzlich (Zu-)Stimmung in der Blogger-Gemeinde zu generieren, was ihm auch offensichtlich gelungen ist. Und zwar so gut, dass er einen Zusatz verfasste, in dem er alle Kommentatoren aufrief, keine falsche Hilfe Philipp zukommen zu lassen. Er schrieb:
Eine große Bitte an alle Kommentatoren: Bitte keine Beleidigungen oder ähnliches. Die Sache läuft noch und wir unterstützen Philipp so gut wir können, je sachlicher wir das alle tun, desto besser.
Doch der Mob lässt sich nicht so einfach kontrollieren. Offensichtlich. Einige, wenn nicht gar viele Kommentare auf Spreeblick und dem Blog von Schweitzer sind meines Erachtens recht grenzwertig und genauso übertrieben, wie das von den Kommentatoren als “übertrieben” bezeichnete “mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Hier zeigt sich deutlich, dass das Sprichwort “Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus” wohl wahr sein muss, weil zu viele Beteiligten glauben, Gleiches mit Gleichem bekämpfen zu müssen.
Keiner, weder Johnny Haeusler noch Eva Schweitzer, noch die meisten Kommentatoren (auf welcher Seite auch immer) wollten den Teufelskreis durchbrechen und wirklich sachlich zu dem Thema beitragen.
Frau Schweitzer, in ihrer Unbesorgtheit haben sie einigen Blogger einen enormen Schrecken versetzt, weil sie bewusst oder unbewusst es zuließen, dass ihr Anwalt auch, ich sag trotzdem mal unschuldige Blogger erwischen würde. (Wir können nicht wissen, wie viele davon trotzdem gezahlt haben) Außerdem haben Sie (zwar ein wenig verständlich, aber unangemessen) ebensowenig zur sachlichen Klärung beigetragen, sondern die gegen Sie gerichtete Ironie/Sarkasmus/Zynismus aufgenommen und ihn in ihrer Art und Weise wieder zurück geschossen. Ihre Stellungnahme an Johnny Haeusler und ihre Blogeinträge beweisen das an faste jeder Ecke.
Philipp, du hast Grundregeln des Zitierens missachtet, indem du knapp einen Drittel eines Textes “zitiert” hast, ohne großartig viel darüber zu schreiben. Das sollte ein Blogger unterlassen.
Johnny Haeusler, du hast nicht so halbwegs sachlich diesen Fall bearbeitet, wie du es dir in deinem Kommentar (#55) als Ziel gesetzt hast. Es muss dir klar gewesen sein, dass du mit der Art und Weise, wie du den Stoff verarbeitet hast, den Mob der Netzgemeinde gegen Schweitzer aufbringen würdest. Das sieht man daran, dass du am Ende doch noch versucht hast, ihn aufzuhalten, was für dich spricht. Und ich glaube, dass du mit dem jetzigen Ergebnis auch nicht ganz zufrieden bist.
Lieber Mob. Ihr habt immer noch nicht begriffen, dass Schweitzer die Abmahnung an Philipp zurück gezogen hat und dass das Gegenangebot, ihr einen Reparaturshop zu empfehlen, lediglich eine pointierte Nachfrage nach einer Geste des guten Willens von Philipp ist. Sie hat zudem verdammt noch mal recht, ihr geistiges Eigentum zu schützen. Das würde jeder machen, der damit sein Lohn und Brot verdient. Wer soll in einer freien Informationsgesellschaft noch Informationen bereitstellen, wenn er dafür nicht bezahlt wird? Und trotzdem kann es eine gute Symbiose zwischen Presse und Blogs geben.
Schweitzer mag nicht damit recht haben, dass man bei kritischen Beiträgen unbedingt die im Rampenlicht stehende Person befragen muss, es wäre aber äußert klug dies zu tun, denn das kann schon im Vorfeld Missverständnisse, wie sie meiner Meinung zu Hauf in diesem Fall entstanden sind, ausräumen. Frau Schweitzer, sie müssen der Bloggemeinde zugestehen, dass sie sich, wie sie selbst, sich schützen müssen. Es kann nicht sein, dass ein in der Freizeit geführtes Blog in solch einem Kollateralschaden endet.
Jeder von euch hat in gewissen Punkten Recht, jeder von euch hat sich aber auch mit seiner Verhaltensweise zu weit aus dem Fenster gelehnt. Anstatt das Kriegsbeil nun aber endgültig zu begraben, scheint jede Seite aber mit diesem Spielchen weitermachen zu wollen. Und da wundert ihr euch noch, dass wir in einer degenerierten Gesellschaft leben. Na gute Nacht.
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2 Kommentare zu Der Mob, den ich rief …
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Das bezweifle ich ehrlich gesagt. Dem Philipp wird gewaltig der Arsch auf Grundeis gegangen sein. Hoffentlich. Und er wird seine Lehre daraus gezogen haben. Mal ganz davon abgesehen hat es auch in der Bloggerszene Stimmen gegeben, die Philipps Verhalten, auch wenn Schweitzers Reaktion übertrieben war, ablehnten.
Was mich allerdings mal interessieren würde ist, ob er sich schon in irgendeiner Form entschuldigt hat. Ich würde sogar ne Wette dafür halten. ...


Ich denke, der wirkliche Sieger aus dieser Geschichte ist der Philipp und sein Blog. Man muss nur die Eier haben, statt sich über das Presserecht zu informieren und sich für seine Urheberrechtsverletzung zu entschuldigen, daraus ein Politikum zu machen. Dann können sogar die ganzen Abmahnblogger wie Häußler drauf piggybacken und ihre Clicks steigern.
Die Lehre aus dem Skandal: Urheberrechtsverletzung lohnt sich also wirklich!