Die italienische Presse und ein vergessener Held
Michael Schuhmacher sitzt wieder im Rennwagen. Nicht nur in irgend einem Rennwagen, sondern in einem Rennwagen eines Spitzen-Teams in der Königsklasse aller Autorenn-Serien, der Formel Eins. Er gewann sieben Weltmeister-Titel und startete bis heute in über 250 Rennen, in denen er 91 Siege einfuhr und 68 mal von der Pole Position aus startete. Die restlichen Zahlen stehen diesen Erfolgen in nichts nach und Schumacher hält zahlreiche Rekorde. Zudem ist er der älteste unter den Rennfahrern, die teilweise sein Sohn sein können; er wurde am Anfang des Jahres 41. Doch trotz seiner Erfolge und der neuen Herausforderung bei Mercedes gibt es Spott und Hohn. Und besonders von einer Seite mehr als nur zu Unrecht.
2006 beendete Schumacher zunächst seine Karriere und versuchte sich zwischenzeitlich mit mehr oder weniger Erfolg in anderen Rennsportarten. 2009 entschied er sich, in den Formel Eins Zirkus zurückzukehren. Schon da wurden skeptische Kommentare laut, die sich scheinbar nun bestätigt sehen. Doch das wäre nur das kleinere Übel. Die Klatschpresse, der man eigentlich keines Blickes würdigen sollte, zieht über Schumacher eine Spur aus gehässigen Spott. Vor allem die Italiener haben immer noch nicht verkraftet, dass Schumacher kein Tifosi mehr ist, denn gerade von dort kommt der bissigste Hohn.
Vergessen die elf Jahre bei Ferrari. Vergessen die ersten, demütigen Auftritte in einem roten Boliden, der die Bezeichnung "Rennwagen" nicht verdient hatte. Vergessen, dass Schumacher sich damals als Weltmeister in ein schlechtes Fahrzeug gesetzt hat, trotz der schon von vornherein spöttischen Presse. Vergessen die Arbeit und Kraft, die Schumacher nicht nur auf der Strecke in den Rennstall gesteckt hat und Ferrari wieder wie einen Phönix aus der Asche aufsteigen lies. Vergessen die fünf!! Weltmeister-Titel, die Ferrari in hundert Jahren nicht gewonnen hätte. Vergessen der Ruhm und das Ansehen, die Schumacher dem Rennstall zurückgebracht hat. Vergessen die vielen Stunden des Jubels, die er den Tifosi geschenkt hat. All das ist vergessen, weil Schumacher eine neue Herausforderung gesucht hat. Und das nicht bei Ferrari.
Man muss dem bisher erfolgreichsten Rennfahrer keine Sympathien entgegen bringen. Ich persönlich mag den Menschen Schumacher nicht. Das hat aber andere Gründe, die hier für dieses Thema nicht relevant sind. Trotzdem sollte man sich der Abneigung zum Trotz von solchen Gefühlen nicht die Augen verblenden lassen.
Denn Schumacher ist hoch anzurechnen, dass er sich einer neuen, noch schwierigeren Aufgabe stellte, als er damals auf der Höhe seiner Leistung in einen minderwertigen Rennwagen stieg, der von "Fehlern In Allen Teilen" nur so strotzte. Ob es am Geld lag, dass er sich jetzt diese Tortur noch einmal antut? Das wage ich zu bezweifeln.
Schumacher hat nochmal eine Herausforderung gesucht, etwas anzugreifen, was eigentlich unmöglich erscheint. In einem Hochleistungssport gibt es kaum Menschen in seinem Alter. Zwar reicht es momentan bei weitem nicht zum Sieg, aber er hat in den Rennen bewiesen, dass er zumindest noch mitfahren kann.
David Beckham wurde in Manchester mit Standing Ovations verabschiedet, obwohl er beim Gegner spielte. (Das war vielleicht einfacher, weil seine Mannschaft das Spiel verlor). Die Fans des FC Bayern München würdigten in derselben Art und Weise einen Spieler, der gerade noch das Siegtor in der Champions League für den Gegner geschossen hat. Giovanne Elber, einst Torschütze für die Bayern weinte ein wenig, wie er später zugab, als er bei seiner Auswechslung ebenso wie Beckham mit Standing Ovations verabschiedet wurde.
Doch die Italiener? Sie haben noch lange zu knabbern. An was, das wissen sie wohl nur selbst.
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