Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

Fixmbr als Zensor

Ohne Kommentare

Ich wehre mich dagegen, eine populistische Überschrift für diesen Beitrag zu wählen. Zu gerne würde ich meinen Zynismus dort hinein verpacken. Aber das Thema ist mir zu wichtig, als dass ich es damit versauen wollen würde. Begonnen hat alles mit Frank Schirrmacher, einen der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ich selbst finde diese Zeitung zu konservativ. Aber das spielt hier keine Rolle. Ich will vielmehr beleuchten, wie das öffentliche Blog, http://www.fixmbr.de, so gar nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun hat (also doch nicht so öffentlich?), obwohl es genau in diesem Thema den eben genannten Herausgeber aufs Schärfste kritisiert. Doppelmoral? Eine Bestandsaufnahme.

Bevor ich mit dieser Bestandsaufnahme beginnen will, sei dem Leser gesagt, dass er zwei Texte genau studieren muss, um sich in diese Debatte einzumischen. Zum einen muss er einen Kommentar von Frank Schirrmacher lesen und verstehen können (in dem er Angela Merkel und Christian Wulff im Fall Sarrazin Versagen vorwirft), zum Anderen muss er folgenden Beitrag von Christian Sickendieck studieren (in dem er Frank Schirrmachers Versagen in der Aufarbeitung des Falles Sarrazin vorwirft). Das erfordert eine Bereitschaft zur Analyse, die wohl nicht jeder Leser bereit ist durchzuführen. Dies ist keineswegs schlimm. Allerdings sollte er sich dann aber auch hüten, zur Debatte etwas beizutragen. Ich mag jetzt etwas penibel sein, was aber die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit (und meines Erachtens Doppelmoral) auf Fixmbr erfordert. Doch genug des Vorworts.

Sickendieck veröffentlichte auf dem Blog Fixmbr eine Kritik über Frank Schirrmacher unter dem Titel, “Schirrmacher schafft sich ab”. In diesem wirft er dem Autor vor, dass dieser in einem Elfenbeinturm lebe. Aber beginnen doch wir am Anfang.

Thilo Sarrazin, bis vor kurzem Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank, wurde zum 1. Oktober 2010 aus eben dieser Position von “unserem” Bundespräsidenten Christian Wulff entlassen. Angela Merkel lies zuvor in der Öffentlichkeit vermelden, dass sie diesen “Rauswurf” favorisiere. Dabei geben beide (Merkel als auch Wulff) zu, die Quelle, in der Sarrazin seine Meinung äußerte, nicht vollständig zu kennen. Man führe sich hier nochmals vor Augen, dass Sarrazin im öffentlichen Dienst stand.

Nun legt Schirrmacher in seinem Kommentar dar, dass wenn einem Menschen (in diesem Falle Sarrazin) wegen seiner Meinung gekündigt wird, diese Kündigung durch eine sachliche Begründung belegt sein muss (vor allem in öffentlichen Positionen). Dies sei allerdings nicht gegeben, da die führende Hand (in diesem Falle Merkel) und die ausführende Hand (in diesem Falle Wulff) dessen Meinung nicht vollständig kennen dürften, da beide das Buch (um das es hier geht) nach eigenen Angaben nie vollständig gelesen haben (wahrscheinlich auch nicht mal ansatzweise). Diese Kernaussage versucht er in seinem Argumentationsstrang zu verdeutlichen.

Sickendieck hingegen sieht Schirrmacher in diesem Fall im sogenannten Elfenbeinturm leben, da er denkt, dass der gebildete Mensch durch die Debatten (und Vorabdrucken von Einzelpassagen) in Talkshows und Zeitungen (und anderen Medienvertretern) einen so tiefgründigen Einblick in Sarrazins Meinungsbild gewinnt, dass er ohne die Lektüre der Quelle die Meinung Sarrazins im Ganzen erkennen kann.

Mein lieber Herr Sickendieck. Mal ganz davon abgesehen, dass an anderer Stelle in Ihrem Blog die Massenmedien eben durch deren Meinungsmache diskreditiert werden (und damit sie sich selbst widersprechen), entgegnen sie damit jeder Logik, dass eine Interpretation einer Quelle nur annähernd die Quelle wiedergeben kann. Und genau das habe ich in einer Antwort zu ihrem Kommentar auf Fixmbr kritisiert.

Nur leider, und das ist das Tragische an der ganzen Sache, wurde mein Kommentar nicht autorisiert. Die Frage, die sich mir nun stellt ist, warum nicht. Habe ich meine Kritik zu undeutlich verfasst? Sind böse Worte in meinem Posting gefallen? Oder passt Ihnen meine Meinung einfach nicht, die einen eklatanten Fehler in ihrem Argumentationsstrang aufdecken würde? Nun, ich bin Mensch, und glaube letzteres. Und dabei ist es vollkommen egal, ob meine Meinung richtig oder falsch ist.

Denn In der Nichtautorisierung sehe ich einen Indiz darauf, dass meist nur Meinungen in Ihrem Blog akzeptiert werden, die mit ihrer Meinung konform gehen. Das nennt man auch “sich gegenseitig die Eier schaukeln” und spiegelt die allgemeine Meinung in unserer Gesellschaft wieder, nur die Meinungen zu akzeptieren, die einem gefallen. Das ist traurig und hindert uns Deutsche an einer ernstgemeinten Debatte über das Richtig und Falsch von verschiedenen Themen.

Abschließend möchte ich entschieden darauf hinweisen, dass meine hier dargestellte Meinung in keinster Weise die Positionen von Thilo Sarrazin, Frank Schirrmacher oder Christian Sickendieck befürwortet oder gar verteidigt. Ich möchte lediglich monieren, dass im Blog Fixmbr Meinungen, die nicht den eigenen entsprechen, zensiert werden, was für ein öffentliches Blog ein Armutszeugnis darstellt. Ich erhebe auch keinen Anspruch auf die wahre Richtigkeit meiner Meinung, auch wenn ich denke, dass sie die Richtige ist. Ich vertrete lediglich meine Meinung und hoffe, dass ich mit dieser keiner Zensur erliege. Umso trauriger ist es, wenn ich doch diese Erfahrung innerhalb Deutschlands machen muss.

Eigentlich müsste ich diese Passage an den Anfang dieses Kommentars stellen, da die meisten Populisten nie bis zum Ende, und damit den ganzen Umfang einer Meinung, lesen, um sich mit Kritiken von Auszügen dieser profilieren zu können.

[Update] Absatz [7] wurde geändert (ohne dabei den Kontext zu gefährden), da die Ausdrucksweise zu aggressiv war.

[Update] Christian Sickendieck hat reagiert und folgenden Kommentar auf seinen Ausgangsartikel geschrieben:

“Es soll ja Deppen geben, die Zensur schreien, weil ihr Kommentar nicht veröffentlicht wurde. Dann schreiben sie auf ihrem Blog ein ellenlanges Elaborat über den Zensor auf F!XMBR. Damit nehmen sie ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahr und führen sich selbst und ihr Geschrei «Zensur» ad absurdum. Realsatire pur.

Wie in unzähligen Artikeln zu lesen ist, bietet F!XMBR durchaus die Möglichkeit, zu diskutieren. Doch wir haben und werden immer darauf achten, dass in den Kommentaren eine gewisse Tiefe zu erkennen ist, erst Recht wenn sie den Autor angreifen.

Ist dies nicht der Fall, werden die Kommentare unter «Deppenkommentar» abgelegt und gelöscht. Ganz einfach.

Unser Blog, unsere Regeln, seit 4 Jahren, für ein kleines Privatblog durchaus erfolgreich — wem das nicht gefällt, möge bitte gehen. Und wenn alles nichts hilft, helfen wir gerne mit einem kleinen Schups.…”

[Update] Meine Reaktion als Kommentar dort gepostet:

“Ich bin einer der "Deppen", von denen Herr Sickendieck wohl spricht. Ich mag eigentlich nicht gern beschimpft werden, aber sei's drum. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich mich in meinem Text nicht darüber aufrege, dass ich im allgemeinen zensiert werden (und damit meine Meinungsfreiheit in Gefahr sehe), sondern auf ihren Blog zensiert werde. Das ist ein Unterschied.

Des Weiteren habe ich Sie als Autor in meinem Kommentar, den ich auf dieser Seite gepostet hatte, kritisiert, aber nicht angegriffen. Ich mag eine recht bestimmende Ausdrucksweise an den Tag legen, allerdings lege ich Wert darauf, niemanden zu beschimpfen oder anzugreifen. Wenn ich über dieses Ziel hinausgeschossen bin, dann möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Ich diskutiere gerne und möchte dafür natürlich auf einer sachlichen Ebene bleiben.”

Geschrieben von Admin

22.09.2010 um 22:43:00

Abgelegt in Bildung, Philosophie, Politik

1 Trackback zu Fixmbr als Zensor

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  1. Ich will mich hier jetzt nicht ewig an diesem Thema aufhängen. Schade um die Zeit, schade um die Energie, auch wenn das Thema, richtige Textanalyse und das Wiedergeben davon in einer öffentlichen Kritik, sehr wichtig ist. Eine Doppelmoral werde ich dem Au

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