Merkel ruft zum Widerstand auf
Egal wie viele Ausländer von dem braunen Mist verprügelt oder misshandelt wurden, es brauchte erst einen Polizeichef, nämlich den aus Passau, um sich wieder in den Tenor gegen die Nazis einzureihen. Wir, das Volk sind gefragt, wir sollen Zivilcourage zeigen, wir sollen der braunen Gefahr entgegen treten. Doch eins wird hier ganz schnell übersehen: Wer schützt uns vor gewalttätigen Nazis?
Schnell, und um Missverständnisse zu vermeiden, relativierte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigene Aussage:
Wenn hier ein Vertreter unseres Staates, aber auch wenn andere Menschen durch Rechtsextreme angegriffen werden, dann ist das ein Angriff auf uns alle.
Nach ihrer Meinung ist auch die gesamte Gesellschaft aufgefordert, gegen Rechts zu kämpfen. Zivilcourage nennt sich sowas. So steht bei Faz.net:
Beim Kampf gegen Rechtsextremismus sei aber nicht nur die Politik gefordert, sondern auch die gesamte Gesellschaft, sagte die Kanzlerin. „Vor allem bedarf es der Zivilcourage, um den Rechtsextremismus überall da zu bekämpfen, wo er sich im öffentlichen Raum zeigt“, fügte sie hinzu.
Was Zivilcourage bedeutet, haben wir bei den Münchner U-Bahn-Schläger gesehen, die einen alten Mann fast tot geschlagen haben, der sie vorher bat, ihre störenden Zigaretten in einem Bereich auszumachen, wo Rauchverbot gilt.
Hinzu kommt, dass der Staat gründlich versagt hat. Der zweite Weltkrieg liegt nun über 60 Jahre zurück, doch das rassistische (ich schreib bewusst nicht nationalsozialistisch) Gedankengut aus Hitlers Zeiten scheint immer noch auf fruchtbaren Boden zu treffen. Fast 60 Jahre hatten die Politiker Zeit gehabt, ihrer Verpflichtung der Aufklärung nachzukommen. Doch reicht es nicht, mit erhobenen Zeigefinger durch die Gegend zu rennen, sondern man sollte auch die Voraussetzungen schaffen, dass der gehobene Zeigefinger eine Bedeutung hat. Ansonsten kann man gleich einen Würfel durch eine runde Öffnung zwängen, der Effekt wäre der gleiche.
Demnach muss die Frage gestattet sein, wieso es einen solch fruchtbaren Boden überhaupt noch gibt, wo Hass und Gewalt so gut gedeihen können. Dabei geht es nicht mal nur um rechtes Gedankengut. Durch welche politische, religiöse oder soziale Form sich auch immer Hass und Gewalt ausdrücken mag, ist vollkommen egal. Nicht egal ist dabei, dass der Staat versagt hat.
Das Bildungssystem ist marode. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Uswusf. Da ist es kein Wunder, dass radikale Ideologien, seien sie politisch, religiös oder sozial orientiert, auf offene Ohren stoßen. Denn die geben ihnen zumindest die Aussicht auf ein besseres Leben.
Zivilcourage ist gut und auch nötig, aber wer beschützt den beherzten Bürger vor Racheakten, wenn selbst ein Polizeichef sich seines Lebens nicht mehr sicher sein kann. Denn so dumm sind selbst die Nazis nicht. Selbst wenn man ihnen geschlossen entgegen tritt, haben sie entweder meist die "schlagkräftigeren" Argumente, oder man gerät später als Einzelner in das Visier der ganzen "Sturmtruppe". Wer schützt uns dann.
Am Ende wird es einen "Anti-Nazi-Gipfel" geben, der genauso enden wird wie seine Brüder auch, mit großen Worten und wenig Geld für wahre Verbesserungen. Doch wir sollen mit unserer Zivilcourage die braune Suppe auslöffeln, die uns die Politik eingebrockt hat.
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Die Rote Couch
21 Dez 08 um 04:06