"Jedem das Seine"
Die Macht der Nationalsozialisten, die für den grausamen Mord an Millionen von Menschen verantwortlich sind, reicht noch bis in unsere Zeit. Dafür sorgt der Zentralrat der Juden, und unsere geliebte Presse. Auf der einen Seite ist das gut so, aber teilweise nimmt es groteske Züge an. Eva Herman kann davon ein Lied singen. Doch wo ist die richtige Mitte? Wo greift Meinungsfreiheit, wann ist die berühmte Linie übertreten?
Einer meiner Lieblingssprüche ist, "Jedem das Seine". Damit möchte ich beschreiben, dass jeder die freie Entscheidung besitzt, zu tun und lassen, was er oder sie gern möchte. Niemand solle sich von anderen unter Druck setzen lassen, einen Weg einzuschlagen, den sie oder er nicht gehen will. Kurz, jeder ist sein eigener Herr.
Nun hat dieser Spruch aber ein Problem. Bzw. der Spruch selber nicht. Nur viele Menschen, hauptsächlich Juden. Denn er wurde von den Nationalsozialisten an einem symbolträchtigen Ort verwendet. Die Worte sind über den Eingang des Konzentrationslager bei Weimar eingemeißelt. Deswegen kann ich auch verstehen, dass viele Menschen, vor allem Juden, die Angst haben, dass dieser Spruch zu sehr pauschalisiert wird, und damit an Bedeutung verliert, nämlich als Mahnmal über dem Eingangstor von Buchenwald.
Denn es ist wichtig, dass diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät. Immer und immer wieder muss uns klar sein, wie grausam Menschen werden können. Und hier spielt die Mitte des 20. Jahrhunderts eine große Rolle. Noch in hundert Jahren muss der deutsche Nationalsozialismus als abschreckendes Beispiel dienen, welcher vor allem, aber nicht nur, in seinem Ausmaß so widerwärtig war. Denn für Beispiele an Grausamkeiten sorgte die Menschheit zur genüge, vor allem weil noch immer die schuldigen Nationen oder Völker die Verantwortung nicht übernehmen wollen.
Trotzdem kann es nicht sein, dass sofort ein Aufschrei durch die Reihen geht, wenn eine Nähe zum Nationalsozialismus entdeckt wird, ohne tiefgründiger über die Bedeutung zu recherchieren. So wurde Eva Herman unter anderem in der Johannes B. Kerner Show solch einer Nähe bezichtigt, weil der 'Journalist' Kerner es nicht schaffte, sein Thema ausreichend zu recherchieren. Den Stein brachte zwar wer anderes ins Rollen, doch bezeugt dieses Beispiel von der Inkompetenz Kerners.
Aber zurück zum Thema. Ich selbst werde meine Redensweise so oft und so gerne benutzen wie ich es will. Dabei stört mich seine Nähe zu dem Buchenwald-Zitat nicht. Denn für mich, und wie ich den Spruch benutze, hat er seine eigene Bedeutung, fernab von jedem Gedankengut der Nazis. Vor allem werde ich nicht auf ihn verzichten, weil er bei mir eine andere Bedeutung besitzt, und weil ich ihn mir angeeignet habe, bevor ich von dem besagten Tor in Buchenwald gehört habe.
Nun nutzen aber Firmen diesen oder ähnliche Sprüche um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Und meist, wenn nicht sogar immer, werden diese Kampagnen zurück gezogen, weil verschiedene Verbände auf die Nähe zu Buchenwald aufmerksam machen. Doch damit erreichen Sie ein falsches Ziel, denn sie bewirken genau das Gegenteil. Denn wenn Sie stetig sich darüber aufregen, dass der Spruch nicht mißbraucht werden darf, geht zu schnell der Blick dazu verloren, dass es eigentlich die Nationalsozialisten waren, die diese Worte für ihre Ideologie verschandelten. Und genau dieses Problem eröffnet sich jedesmal, wenn ein Gedanke, eine Idee oder eine Meinung sich unbeabsichtigt mit der Nazi-Ideologie überschneidet.
Hier hilft eigentlich gesunder Menschenverstand, lieber weniger aufregen, dafür mehr denken.
1 Trackback zu "Jedem das Seine"
5 Kommentare zu "Jedem das Seine"
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Volltreffer. Habe gerade meine Sichtweise dazu fertiggestellt und wollte mal eben hier vorbeischauen und ZACK! haben Sie sich dessen auch angenommen. Sehr gut gemacht.
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Damit kann man auch rechtfertigen, dass Hakenkreuze und Hitlergrüße wieder gesellschaftsfähig gemacht werden könnten; diese wurden ja auch nur von den Nazis “missbraucht”. “Jedem das seine” hat seine antike Bedeutung schon lange verloren und gilt als (deutscher) Spruch als ein geistiges Mahnmal. Und das sollte es auch bleiben. Wer es unbedingt nutzen will (warum auch immer), kann ja die lateinische Version benutzen.
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Wie war das mit der schlechten Recherche? Der Spruch steht nicht über dem Eingangstor eingemeißelt, sondern ist selbst Teil des Metalltores (siehe hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/1448387)
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Wir sollten nie den Blick auf die Vergangenheit verlieren. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Wir sollten aus der Vergangenheit lernen und nie vergessen, was zu dieser Zeit passiert ist, damit sich so etwas nicht wiederholt. Dennoch sollten wir uns von der Vergangenheit nicht unterdrücken lassen. Dies passiert aber, wenn wir nicht-nationalsozialistisch gemeinte Äußerungen und Gesten verdammen, weil sie von der Nazi-Zeit mißbraucht wurden. Wir lernen nicht aus der Geschichte, wenn wir etwas verbieten, sondern damit richtig umgehen. Aber vielleicht ist dafür unsere Gesellschaft noch nicht reif genug, den Schmerz der Wunden, die der Nationalsozialismus verursacht hat, einfach nur betäuben zu wollen, anstatt an seinen Ursachen zu arbeiten. (Das ist sowieso eine Macke unserer Gesellschaft).
@Hans
Der Hitlergruß und das Hakenkreuz sind der Nazi-Zeit definitiv zugeordnete Symbole, in einer etwas abgewandelten Form von einem Vorbild. Über ein Verbot davon läßt sich streiten, und wahrscheinlich würde ich dem Verbot sogar zustimmen. Der Spruch “Jedem das Seine” ist aber kein der Nazi-Zeit eindeutig zuordbarer Spruch. Ein kleiner Unterschied. Vllt auch zu fein.@Karsten
Sie haben recht, schlecht recherchiert, bzw. gar nicht. In diesem Zusammenhang werte ich den Satz als künstlerische Freiheit, wobei ich mich da sehr schlecht ausgedrückt habe. Ich habe zwei Gedanken in einem Satz ausdrücken wollen. Ich versuche, dies in Zukunft zu vermeiden. -
Auch das Hakenkreuz kann der Nazizeit “nur” relativ zugeordnet werden. Es gibt andere Verwendungen dafür, in verschiedenen Kulturen. Und trotzdem ist ein gravierendes Symbol der nationalsozialistischen Ideologie.
Genauso wie das zynische “Jedem das seine” oder aber auch “Arbeit macht frei” (ursprünglich der Titel eines Romans). Übrigens ist die Besonderheit Buchenwalds gerade dieser Spruch: In allen anderen KZs wurde “Arbeit macht frei” als Torspruch benutzt.


Die Rote Couch
27 Feb 09 um 12:00