Erst Denken - Dann Reden
Ich hätte es niemals für möglich gehalten. Wenn mir vor kurzer Zeit noch jemand gesagt hätte, ich würde heute diesen Mann in Schutz nehmen, dann hätte ich ihn ausgelacht. Es geht um den Jungen Union-Chef Philipp Mißfeldel und einen Satz, der so falsch nicht klingt, aber die Gegenparteien durch eine unterstellte Pauschalisierung einen Angriffspunkt zu finden glauben. Selbst die Online-Ausgabe der Süddeutschen vorverurteilt den CDUler: "Mißfelder beleidigt Hartz-IV-Empfänger". Doch in seiner Aussage steckt, zu aller Traurigkeit, ein großes Körnchen Wahrheit.
So sagte Mißfelder folgenden Satz: "Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie."
Dass SPDler sofort vorpreschen und Mißfelder kritisieren war zu erwarten. Denn beide Parteien begegnen sich nicht mehr als gesittete Gegner, sondern nur noch als bissige Konkurrenten ohne auch nur ansatzweise über die Worte des anderen nachzudenken. So sprach die Chefin der Jungsozialisten, Franziska Drohsel laut Süddeutsche "von Stimmungsmache und einer Stigmatisierung der Betroffenen." Sowas nennt man auch Wahlkampf. Es kam natürlich auch noch andere Kritik, so stimmte die Arbeiterwohlfahrt und der Sozialverband Deutschland in den Tenor mit ein.
Doch so falsch ist der Satz, den Mißfelder gesagt hat, nicht. Und von einer Pauschalisierung, sowie Stigmatisierung kann ich auch nichts erkennen. Sicherlich klingt der Satz sehr allgemein gehalten, aber wahrscheinlich kennt kaum einer den Zusammenhang in seiner Rede. Eine erste oberflächliche Suche nach dem Gesamttext seiner Rede fiel erfolglos aus. Denn auch die großen Nachrichtenmagazine schafften es nicht, mehr als nur besagten Satz zu zitieren. So zerreißen sich wieder ein paar Leute die Mäuler über einen Ausschnitt eines Ganzen (Ohne das Ganze natürlich zu kennen), die sich sowieso gern in den Mittelpunkt stellen, so wie besagte Drohsel.
Fakt ist, und so stimmt sogar Georg Ehrmann, Chef der Deutschen Kinderhilfe Mißfelders Aussage im Grunde genommen zu, dass das Geld in vielen Fällen (ich kann und will keinen Prozentsatz nennen) nicht denjenigen zugute komme, für die es bestimmt sei. Paradebeispiele gibt es zur Genüge. Davon kann man tagtäglich in den Medien lesen.
Also warum das ganze Gezetere? Nicht nur in Zeiten von Geldknappheit sollten die vorhanden Ressourcen auch richtig genutzt werden. Aber da lieber geredet, als gedacht wird, bleiben Konsequenzen einer traurigen Wahrheit aus.
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