Die Rote Couch - Ein parteiloses Blog

Kurz und Bündig IV

Ohne Kommentare

Da ich die Serie mag, kommt natürlich auch ein vierter Beitrag. Hier geht es um das ewige Dilemma, dass unsere Politiker nur Schaumschläger, und keine Problemlöser sind, dass etwas zurückzugeben, was einem nicht gehört, keiner guten Tat entspricht und dass Angst über Barrieren hinweghilft.

Weil ich ja meist über Kommentare unserer bezahlten Kollegen wettere, wollte ich nun auch einmal einen Beitrag vorstellen, der mehr Substanz hat als sonst. Thorsten Denkler beschreibt auf dem Online-Portal der Süddeutschen seine Sicht auf unseren Bundespräsident Köhler. Bei seinem Amtsantritt fand ich ihn noch sympathisch, wahrscheinlich weil ich noch gewisse Erinnerungen von dessen Vorgängern auf ihn projizierte. Doch nach knapp fünf Jahren bleibt von den vielen Hoffnungen wenig übrig. Die erste große Enttäuschung erlebte ich bei seiner Entscheidung, dem Gesuch vom damaligen Bundeskanzler Gehrhard Schröder, den Bundestag aufzulösen, nachzukommen. Und nun beschreibt eben jener Journalist Denkler einen durchaus passenden Eindruck von unserem Staatsoberhaupt Nummer Eins, indem er seine bisher gehaltenen “Berliner Reden” analysiert. Am Ende steht das Bild eines Weichei’s, dessen Fahne sich vielmehr nach dem Wind dreht. Ohne Ecken und Kanten versucht er nirgends anzustoßen, wahrscheinlich in weiser Voraussicht, dass auch er irgendwann einmal wieder in die Wirtschaft zurückkehren wird. Deswegen erklärt Denkler am Ende des Beitrags passend:

Wer mit einer wichtigen Rede von allen Seiten wohlwollenden Applaus erntet, der hat etwas sehr falsch gemacht. [...] Es wäre gut, wenn er nach der Wiederwahl eine Erklärung abgibt, warum Deutschland ihn als Präsidenten braucht. Bisher hat er das versäumt.

 

Die in Kritik geratenen Manager der AIG in Amerika sind bereit, zu einem großen Teil auf ihre Boni-Zahlungen zu verzichten. Diese Nachricht hört sich zunächst toll an, doch die Umstände sind hier entscheidend. Zwar wird ihre Entscheidung am Ende sicherlich aus “freien Stücken” zustande gekommen sein, aber auch sie sind des Rechnens kundig und haben festgestellt, dass von ihren Boni nicht viel übrig bleiben wird. Und in ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung wird ihnen dabei aufgegangen sein, dass 10 Prozent der Boni, die sie nach dem wohl bald neuem Steuergesetz behalten dürfen, nicht ausreichen, um den Zorn der Regierung und Bevölkerung zu ertragen. Da passt es doch gut ins Image, ganz darauf zu verzichten. Und es mag nicht verwunderlich sein, dass der zweite Teil der Manager, die (noch?) nicht auf ihre Boni verzichtet haben, zum größten Teil nicht in Amerika sitzen. Denen kann der Zorn der Bevölkerung egal sein, und es stellt sich die Frage, ob die 90 Prozent Abgabepflicht auch für sie gilt. Es ist halt einfacher etwas zurückzugeben, was man selbst gar nicht besitzt. Anders verhält es sich bei Josef Ackermann, Top-Manager der Deutschen Bank. Er ist zwar von dieser horrenden Steuerabgabe nicht betroffen, aber auch sein Gehalt schrumpft um 90 Prozent. Es ist natürlich tragisch, dass ein Mann, der schon längere Zeit mit mehr als 10 Millionen Euro Jahresgehalt leben musste, nun mit nur noch 1,4 Millionen auskommen muss. Nicht dass er bald Selbstmord begeht.

 

Die Angst geht um. Man braucht kein Hellseher oder Profi zu sein um zu wissen, dass der es einen “Rekordeinbruch im Welthandel“ geben wird. Da ist es schon schwieriger vorauszusagen, ob nach dem Winter wirklich der Frühling kommt. Die neun Prozent Handelswaren, die nicht mehr den Besitzer wechseln werden, kommen zum größten Teil wohl aus China. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch von dort radikale Änderungen in der Weltwirtschaft gefordert werden. Aktuell wird vom Chef der chinesischen Zentralbank vorgeschlagen, eine neue globale Leitwährung zu etablieren. Spielt hier die Angst vor einer drastischen Abwertung des Yuan mit, wenn vor allem Waren aus China nicht mehr gefragt sind? Im Endeffekt ist eine Einheitswährung für die ganze Welt keine schlechte Idee. Dennoch werden damit unsere wirtschaftlichen Probleme nicht bekämpft, sondern verstärkt. Denn damit nimmt man dem Kapitalismus weitere Grenzen. Am Ende ist die Währung aber zweitrangig. Denn die Erfolgreichsten wissen sowieso schon, “Geld stinkt nicht, egal welche Währung”

Geschrieben von Captain

24.03.2009 um 10:37:11

0 Trackbacks zu Kurz und Bündig IV

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

  1. Keine Trackbacks

0 Kommentare zu Kurz und Bündig IV

  1. Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Textile-Formatierung erlaubt